Man denkt, man ist nachhaltig entspannt, wenn man aus dem Urlaub kommt. Man glaubt, man wird zurück kehren und nichts ist mehr zu wie es mal war. Ja, das denkt man, wenn man wirklich sehr sehr sehr entspannt ist. Aber dann kommt man wieder und zwei, drei Tage ist man unglaublich gelassen und relaxed. Man ist schön braun. Man strahlt von innen. Leute verteilen Komplimente. Toll! Aber eines ist spätestens am dritten Tag wieder so wie vor dem lang ersehnten Urlaub. Der Tag hat immer noch lediglich 24 Stunden und jede Minute ist so kostbar wie die nächste. Ich schwebe seit Wochen auf einer nicht endenden Kreativ-Welle und aus mir heraus sprudeln wirklich nur so die Ideen. Ich weiß also garnicht, was ich zuerst tun soll. Kann ich die Zeit nicht anhalten? Kann ich nicht….die Arbeitszeit verkürzen und viel viel viel mehr Zeit für die privaten Gedanken und Ideen, Projekte und Treffen haben? Wenn wir uns alle zusammentun und mal an den Petitionsausschuss im Bundestag schreiben – vielleicht können wir die Überprüfung des Arbeitsrechts mal voranbringen???
ha..das wäre unglaublich. Wie ist denn das bei euch? Hat jemand grade Projekte oder Ideen im Angriff? Dinge, die er schon so lange plant aber wo man einfach nicht zu kommt? Erzählt doch mal…. Also, ich habe gerade unglaublich viel am Start. Im Juli leite ich eine Ferienfreizeit für Kiddies in meiner alten Heimat, vorher kommt es vielleicht noch zu den ersten konkreten Umsetzungen von einem Filmprojekt mit Beat und Stefan, am Wochenende fahre ich nach Gießen um mit Verena an meinem Projekt „Kurzstrecke“ weiterzudenken, ein Buchprojekt unter dem Titel „11 x Stern und einmal Schnuppe“ liegt auch in der Schublade und eine Vereinsgründung rund um Projekte für die Stärkung der Bürgergesellschaft soll es auch noch geben. Das alles kommt mir wahnsinnig wichtig vor – kein Vergleich zu einem regulären Job. Das alles sind Ideen und Projekte, die mich erfüllen, weil sie mich bewegen und glücklich machen. Nur kann man davon leider nicht leben. Also, sollte jemand von euch Interesse an einer Lotto-Tipp-Gemeinschaft haben, so melde er oder sie sich doch bitte bei mir. Oder wenn jemand was geerbt hat, was irgendwie nur Kummer bereitet – ich na ja….also, na ja, ich stelle mich da schon zur Verfügung. Oder wenn jemand eine Idee hat, wie man ohne zu verwahrlosen und ohne sozial zu schmarotzen überleben kann, der kläre mich auch darüber auf. Oh wie gerne würde ich einfach 24 Stunden am Tag Zeit haben. Für mich und meine Ideen, für meine Freunde und deren Ideen. Ich hätte jede Minute was zu tun. Ich würde spinnen und schreiben, denken und reden (natürlich
), organisieren und planen, konzeptionieren und …na ja, einfach Gas geben. Ich gehöre glaube ich zu den Menschen, die für etwas brennen, wenn es aus voller Leidenschaft heraus geschieht. Und ich habe doch nur ein Leben auf diesem Planeten – warum muss man sich an Konzerne und Unternehmen pappen und deren Visionen und Ideen bedienen und verkaufen? Wir haben doch eigene Impulse und Hoffnungen. Also, ich zumindest. Viel zu viele. Ich bräuchte mal so ein Pauschal Zeitkontingent von – sagen wir – 365 Tagen. Dazu ein kleines Haus am See. Ein Telefon. Ein Fahrrad. Ein PC. Einen Strandkorb vor der Türe. Hohes Gras im Garten. Ein paar Flaschen Wein. Viele Notizbücher und gute Kullis, die schön schreiben. Hmm… geht es noch jemandem genauso? Wir könnten das dann zusammen beantragen? Es gibt doch auch Mutterschutz…wieso gibt es nicht Kreativschutz…nun gut. Ich schwafel hier so vor mich hin. Ich frage mich halt gerade nur, ob nur ich mehr Zeit gebrauchen könne oder ob es euch genauso geht. 24 Stunden sind einfach zu wenig. Oder Arbeit ist einfach zu viel
Auf in den Abend und ran an die kreativen Ideen. Sobald es konkreter wird, verrat ich es hier natürlich.
Ich bin zurück aus dem wohl zeitlich kürzesten aber wohl eindrucksstärksten Urlaub meines jungen Lebens. Und ich mache nun das, was ich noch nie im Leben getan habe: Ich lasse euch daran teilhaben. *g* Ich stecke all meine PR und Öffentlichkeits- arbeitskenntnisse in diese nun folgende kleine Reisereportage, um euch weg aus Großstadtwahn und Dorföde zu locken und euch auf etwa 700km² Fläche Erde aufmerksam zu machen, die sich „La Palma“ nennt. Dabei handelt es sich nicht um die Stadt Las Palmas auf Gran Canaria und auch nicht um das zweite Deutschland Palma de Mallorca, sondern um die westlichste Insel der Kanaren. Das Ende Europas. Ich habe auf dieser schönen Insel meine wanderbegeisterten Eltern besucht und war 7 Tage erst mit dem Auto und dann mit den Füßen unterwegs… Denn: Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich. Die Bilder in der Slideshow geben euch einen Eindruck davon, was ich gesehen habe – was es für ein Gefühl bzw. für einen Gedanken hinterlässt, wenn man über und unter den Wolken, auf den Bergen und am Meer, zwischen Bananen und Lava wandert, das kann man nur in Worten wiedergeben. Hier mein Urlaub zum mitmachen…
Wenn man in Santa Cruz, der Hauptstadt La Palmas, landet, dann sieht man die unendlichen Weiten des Atlantiks auf der einen und die atemberaubenden Gipfel der unzähligen Vulkanberge auf der anderen Seite. Dazwischen liegen Bananen- und Weinhänge, Lava-Ströme, Palmen und Pflanzen in saftigem Grün und tollen anderen Farben. Genau in der Mitte der Insel liegt ein ganzer Bergkamm – es ist als trenne er die Insel wie ein Scheitel. Und ein bisschen ist es auch so. Hängen im Westen der Insel dicke Wolken, so scheint im Osten die Sonne und umgekehrt. Durch einen Tunnel kann man die Seite wechseln und somit auch das Wetter. Beeindruckend. Die erste Wanderung hat uns auf diesen bedeutsamen Bergkamm der Insel geführt. Dort kann man die „Vulkanroute“ bewandern. Man startet in einem Waldgebiet, dem Refugio del Pilar, und begibt sich auf eine Reise durch Aschefelder und Vulkankrater hinauf zum Berg Birigoyo und dem Piz Nambroque. Oben angekommen, erlebt man etwas für Palmerische Verhältnisse völlig bekanntes: Man wandert über den Wolken. Mir hat dieser Anblick in den ersten Minuten beinahe den Atem geraubt. Was am Tag zuvor im Flugzeug knapp 11.000 Meter über der Erde so zart und sanft aussah, war nun auf knapp 1400 m Höhe zum Greifen nahe. In meinem Notizbuch habe ich diesen Eindruck so beschrieben: „Sanft wiegt sich das Meer unter der Watte, stolz wacht der Gipfel darüber, Tannen umschließen Berge und Vulkane, die Natur ist eins mit sich.“ Und so ist es. Dieses Bild hat sich mir geboten:
Was am ersten Tag unter der „Watte“ für unsere Augen verborgen blieb, haben wir am zweiten Tag aus der Nähe betrachtet. Im Süden der Insel führen unzählige Küstenstraßen rund um die großen „Barrancos“ (Schluchten) am Meer entlang. Vorbei an verlassenen Dörfern, Vulkanströmen, Kratern und wilden Hunden haben wir immer wieder innegehalten, um mit allen Sinnen zu erfassen, in was für einer Umgebung man sich befindet. Unterhalb des Dorfes Fuencaliente, heute Los Canarios, liegen die beiden Vulkane San Antonio und La Teneguia. Der letzte spuckt noch Wärme und Schwefel aus. Wahnsinns-Massen an Lava hat Teneguia erst 1971 zum letzten Mal aus dem Inneren herausgeschleudert und die gesamte südliche Inselspitze in ein schwarzes und rötliches Aschemeer gebettet. Bis zum Wasser reichen die riesigen Brocken, auf und neben der Lava sind Häuser und Pflanzen, Leuchttürme und Fischkneipen. Diese Ecke La Palmas zeigt mehr als jede andere der Insel, wie sich die Menschen und die Natur an die Gewalten der Vulkane angepasst haben. Pflanzen nutzen die Sauerstoff- und Mineralienreiche Lava-Erde um zu blühen und zu wachsen, die Menschen betten ihre Häuser darin, geradeso als ob sie darin Schatten und Ruhe finden. Unglaublich faszinierend. In La Zamora genießen wir ein landestypisches Essen: Fisch in allen Variationen, Palmerische Salzkartoffeln, Wein und Knoblauchbrot. Im Nacken das Meer, in der Front der Vulkan:
Am Abend streifen wir zufällig das kleine Dorf La Laguna und werden dort Zeugen einer einheimischen Tradition. Die Bewohner des Dorfes tragen, in Trachten gekleidet, ihren Dorf-Patronen San Isidor mit einer Prozession durch die Hügel der Nachbardörfer und dankem dem Herrn für den Schutzpatron ihres Dorfes. Danach gibt es Paella und Wein für alle. Und kostenlos. Wir fühlen uns für einen Abend lang ein wenig spanisch. Und das genießen wir.
Am dritten Tag möchten wir den Berg bezwingen, der La Palma von oben überragt: Den Roque de Los Muchachos. Über 2400m führen uns Serpentinen den Berg hinauf. Wie schon am ersten Tag durchfahren wir die Wolken, bis wir sie unter uns lassen. Oben angekommen verbirgt sich eine Landschaft, wie man sich wohl den Mars oder Mond vorstellt. Gewaltige Felsen, dichte Wolken und feuchter Nebel, strauchiges Gebüsch und steile, enge Wege. Wir wandern auf den Gipfel des Berges und kommen vorbei an den weltberühmten Stern-Observatorien der Insel. Länder aus aller Welt haben hier ihre Sternwarten um am sternenklarsten Himmel das Treiben des Universums zu beobachten. Ein bizarres Bild: Weiße Sternwarten über den Wolken und zwischen den Bergen. Es hat etwas unreales, ein Moment Science-Fiction.
La Palma ist eine Wanderinsel und zum Baden nur bedingt geeignet. Hier gibt es keine weißen Strände – man liegt auf schwarzen Asche oder Steinböden am wilden Atlantik. Trotzdem möchten wir es testen und besuchen am vierten Tag das Küstendorf Puerto Naos. Ein Tag zum Durchatmen und Entspannen, das Wechselbild von Sonne und Wolken hilft einem dabei, auch Sonnenbrandfrei einfach mal für längere Zeit die Augen zu schließen.
Als wir an der Küste unterwegs waren haben wir von unten schon die bedeutensten Vulkane der Insel, den San Antonio und den La Teneguia von unten gesehen. Nun wollten wir sie mit den Füßen bewandern und sie uns aus nächster Nähe ansehen, was ein Vulkan ist und wie er sich anfühlt. Ein toller Wanderweg bietet einem dazu die Möglichkeit. Vor etwas mehr als 30 Jahren hat der Vulkan, auf dem ich stand, Feuer und Lava von sich gestoßen und einen Monat lang die Insel erschüttert. Menschenleben hat der Ausbruch nicht gefordert, aber er hat die Insel verändert – oder bereichert? Bis ganz nach oben führt ein Kletterweg, man muss schwindelfrei sein. Und dann sieht man sie. Aus über zehn Kratern hat der Vulkan Erdinneres in alle Richtungen ausgespuckt, ein Strom führt direkt ins Meer. Es riecht noch ganz extrem nach Schwefel und an manchen Stellen mitten auf dem Gipfel des Vulkans kann man seine Hand in kleine Löcher stecken und es noch fühlen – nach 30 Jahren ist das Erdinnere immer noch erschreckend heiß. Es macht einem aber keine Angst, ganz im Gegenteil: Die Faszination will auch an diesem Tag nicht nachlassen.
Unterhalb von Fuencaliente und den Vulkanen kann man Salz-Salinen bewundern. Auch das habe ich noch nie gesehen. In großen Becken wird Meerwasser so lange gehalten bis sich das Salz absetzt und erhärtet. Große Salzhaufen liegen an den Beckenrändern und warten auf ihre Weiterverarbeitung. In La Palma ist alles völlig naturbelassen und ungeschützt. Man kann alles anfassen und bewundern. Das macht die Insel so unglaublich sympathisch.
Sympathisch ist auch das kleine Küstendorf San Andres, das zur Ausgangs- und Endstation unserer Küstenwanderung am sechsten Tag wird. Es ist ein kleines Dorf, das ausschließlich von den Bananen lebt. Es ist umgeben von Bananen, Bananen und Bananen. Wahnsinn. Schaut euch das Bild an – Bananenstauden und Bananenblüten wohin das Auge reicht. Leider werden die Bananen auf La Palma alle im grünen Zustand geerntet und zum Export fertig gemacht. Ich habe also keine einzige gelbe Banane gesehen. Aber eine hellgrüne probiert: Hmm…lecker! Wir wandern an diesem Tag ganz gemütlich am Meer entlang und ruhen uns auf den Felsen einer kleinen künstlich angelegten Lagune aus. Was braucht der Mensch me(e)hr?
Den letzten Abend verbringen wir in der zweitgrößten Stadt La Palmas, in Los Llanos. Am Sonntag wird auf der Insel gewählt und wir geraten auf einem Marktplatz in eine Wahlveranstaltung. Wir haben kein Wort verstanden, aber es ist interessant wie unspektakulär und bürgerlich sogar die Politik verkauft wird. „Confianza en el futura“ lautet der Slogan der Volkspartei – „Vertrauen in die Zukunft“. Ich weiß nicht warum, aber La Palma scheint perfekt zu sein und vor allem so natürlich. Angst um die Zukunft dieser Insel habe ich wahrlich nicht. Der Massentourismus wird La Palma hoffentlich nie erreichen. Mit einem Besuch von Santa Cruz beende ich meinen Urlaub auf dieser Trauminsel und wünsche ihr und mir, dass wir uns mal wiedersehen. Auf La Palma wachsen Bananen und Pfirsische, Zitronen und Orangen, Avocados, Mispeln, Feigen und auch Kastanien. Es gibt die seltenen Drachenbäume und Vulkane, die den Menschen ihren Boden zum Leben vergrößern. Und es gibt die Bewohner, die die Insel wahrhaftig bevölkern: Wohin man blickt rascheln Eidechsen hinter Büschen, Steinen und Blättern.
Gracias muchachas für diesen Fleck Erde!