Guten Abend!
Am Wochenende habe ich mich auf den Weg von Berlin nach Sindorf gemacht und habe meine Heimat besucht. Ein schönes, ruhiges Wochenende – mit nur einem Termin und ganz viel Zeit für spontane Ideen. Zeit! Ein kaltes, herbstliches Wochenende mit wenig Party und ganz viel Zeit für gemütliche Teestunden. Zeit! Ein Wochenende mit wenig dazwischen gequetschten Treffen und ganz viel Zeit für intensive Gespräche. Zeit! Es hat gut getan, mal ZEIT zu haben und ZEIT zu teilen. Als ich dann gestern Abend im IC saß – der als Ersatz für den ausgefallenen ICE eingesprungen ist, spürte ich dass ich nun wenig oberflächliche Business Menschen auf dem Weg in die Hauptstadt um mich herum hatte, sondern ganz viele Familien mit Zeit zum Vorlesen und „die Welt erklären“. Da war sie schon wieder – ZEIT! Dann schlage ich meine Zeitschrift auf und lese den Leitartikel zumThema… klar…. ZEIT! Und da macht es „peng“ und mit einem Mal wird mir klar, für was wir Menschen tagtäglich Zeit vergeuden. Kostbare Zeit. Ein Beispiel: Man checkt mal schnell die Emails, man lädt noch schnell ein Lied herunter, man überweist noch kurz für ebay, man zappt umher, um die beste Kochsendung zu finden. Man verbringt Zeit damit um Zeit zu sparen – oft verschenkt man dadurch aber Zeit. Gerade eben ist es mir passiert. Ich sitze am Computer und möchte online einen Zug nach Karlsruhe buchen. Denn: Online geht ja schneller als extra zum Bahnhof zu fahren. Völliger Blödsinn stellte ich fest: Zeit zum Eingeben der Suchfelder für eine Bahnverbindung: Locker 3 Minuten. Zeit zum Durchsuchen der Fahrverbindungen nach der besten und günstigsten: Locker 5 Minuten. Vergleich von anderen Verkehrsmitteln zum Preisvergleich: 15 Minuten (googlen, Daten immer wieder eingeben, aufschreiben, vergleichen) Zeit zum sich ans Passwort erinnern und einloggen: 3 Minuten. Zeit zum Ausfüllen der Ticket-Daten: 3 Minuten. Zeit zum Portemonoaie mit Kreditkartennummer holen: 2 Minuten. Zeit zum Verifizieren der Daten: 1 Minute. Zeit zum inneren Hadern mit sich selbst, ob man bucht oder nicht: 1 Minute. Zeit zum Ausdrucken: 1 Minute. Macht zusammen: 34 Minuten (minimum!) Menschliche Kontakte währenddessen: Null. Spracheinsatz währenddessen: Null. Gedanken an das Essen auf dem Herd: Null. Warum machen wir Menschen sowas? Ich könnte in 12 Minuten S-Bahn Zeit am Bahnhof sein und mich von einer mehr oder minder freundlichen, dafür realen Person, beraten lassen. Sie würde mir mein Ticket sogar in einen schicken Umschlag stecken und mir meinen Fahrplan ausdrucken. Ich könnte kommunizieren, ich könnte mich bewegen und ich könnte sogar Arbeitsplätze sichern. Aber es kostet doch so viel Zeit! Eben nur auf den ersten Blick… Es gibt tausend Dinge, die Zeitverschwendung sind – allen voran alles technische, alles mobile, alles menschenlose. Ich versuche diese Woche mal mein Zeitkonto neu auszrichten. Ich versuche nicht der gerade abfahrenden Bahn hinterherzusprinten, ich versuche nicht krampfhaft alle 10 Minuten nach den Emails zu schauen und ich versuche mal nicht, beim Essen schon an die Abendgestaltung zu denken.
Die Zeit, die ich mir von Medien rauben lasse, schenkt mir kein Mensch zurück. Unser Zeitkonto nimmt leider nur ab. Nicht zu! Und nun zu euch:Was ist denn in euren Augen Zeitverschwendung? Und womit verbringt ihr am liebsten eure Zeit?
Ach so: Inspirierende IC Lektüre für diesen Eintrag: Aktuelle Ausgabe der „Psychologie heute“
Und nein: Das hier ist keine Zeitverschwendung, denn ich komme zur Ruhe wenn ich schreibe und Schreiben ist meine liebste FreiZEITbeschäftigung
Ich wünsche euch allen einen guten Start in die Woche und Zeit, die ihr euch nehmt, anstatt sie euch klauen zu lassen!