Kerstin Müller

Eva Hermann – oder: Wie man Menschen regelrecht „demontiert“

Wo ich nun schon mal Zeit für einen „Online-Abend“ habe, muss ich euch unbedingt was fragen: Wie bitte denkt ihr über die aktuelle öffentliche Medienschlacht um Eva Herman? Interessiert euch das? Empört euch das? Findet Ihr das wichtig oder gar richtig, was die Presse aktuell berichtet?

Also ich bin völlig entsetzt und eigentlich noch viel mehr. Ich bin stinkesauer! Ich find es unter aller Sau, wie unser geliebtes Vaterland ein Mediensystem geschaffen hat und es gedeihen lässt, was jeglicher Demokratie und Menschenwürde widerspricht. Leben wir nicht in einer Schein-Meinungsfreiheit, wenn Menschen nicht sagen dürfen, dass früher Dinge anders, vielleicht sogar besser waren? Leben wir nicht in einer Schein-Menschenwürde, wenn Zitate zerhackt und sinnentfremdet werden, um Menschen zu denunzieren? Und leben wir nicht in einer Schein-Gesellschaft, wenn man nicht rückwärtsgewandt Dinge erwähnen darf – von mehr kann ja auch wahrlich nicht die Rede sein – ohne einer politischen Richtung zugeordnet zu werden? Was hält unser Staat denn aus, wenn er Menschen nach unglücklichen Formulierungen durchscannen muss? Was darf man sagen – 60 Jahre nach Kriegsende? Was überhaupt als scheinbar freier Mensch? Über den aktuellen Vorfall bei Johannes B. Kerner mutmaße ich folgendes: Man hat Eva Hermann gezielt eingeladen (nachdem sie vor ein paar Wochen bereits ausgeladen wurde) um sie als Zielscheibe zu benutzen. Als Zielscheibe eines ziemlich aufgeblasenen und in der Tat parallel geschalteten Mediensystems. Man treibt Menschen in die Enge, um mit dem Finger auf sie zu zeigen anstatt mit einem eventuellen Fauxpas einer öffentlichen Person konstruktiv umzugehen. Im Falle Eva Hermann würde in meinen Augen konstruktiv nämlich bedeuten, es endlich mal öffentlich zuzulassen, über Rechtsextremismus in Deutschland zu sprechen. Man kann Nazi-Sachen ersteigern und Honecker Bilder im Wohnzimmer hängen haben, in manchen Ländern sogar NPD wählen und die Feuerwehr rufen, wenn der Inder verprügelt wird. Aber man darf nicht erwähnen, wie Werte und Familie im Nationalsozialismus behandelt wurden? Es ist doch kack egal, ob Eva Hermann es früher besser oder schlechter fand – sie ist ein freier Mensch in einer freien Gesellschaft, die einen Verlag gefunden hat, der sogar ein Buch von ihr veröffentlicht. Und die Menschen kaufen es. Wo bitte ist da das Problem? Und wo bitte ist die Kontrollinstanz, wenn so unfachlich berichtet wird?

Ich stimme inhaltlich in keinster Weise mit allen Gedanken von Eva Herman z.B. zur Emanzipation überein – soviel steht fest – aber darum geht es ja auch überhaupt garnicht mehr. Ich will eigentlich nur wissen, ob man sich als Medienkonsument und Bürger eine derartige einseitige und manipulierte Berichterstattung gefallen lassen muss? Das es Eva Herman getroffen hat, ist Zufall. Diese Boulevard Scheisse passiert ja tagtäglich. Was denkt ihr???

Und ich wette noch etwas: Ich weiß nicht, wer von euch die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises verfolgt hat – Beckmann wurde für sein Enthüllungstalk mit einem Ex-Radprofi für die beste „Moderation“ ausgezeichnet. Im nächsten Jahr hat Johannes B. Kerner mit seinem Rauswurf von Eva Herman aus seiner Sendung wohl gute Chancen auf den Titel „Beste Reaktion in Krisensituation“. Das  wahrscheinlich für diese Sendung viel Kohle und ne Menge unmoralischer Absprachen getroffen wurden, erfährt keiner. Dass es dann immer noch Landtagsabgeordnete der NPD in Sachsen gibt und Goebbels Cd´s auf dm Trödelmarkt wird auch völlig ausgeblendet. Hauptsache eine Person der Öffentlichkeit wurde medienwirksam „gerügt“. Denn das genügt.

Peinlich. Hilft nur Zeitung abbestellen und TV abschalten und sich endlich eine EIGENE Meinung bilden.

Quelle zum eigene Meinung bilden: Eva Herman bei Kerner 


U-Boot Phase

Einen wunderschönen guten Abend…

hui ui ui, Zeit ist vergangen. Vieeel Zeit. Ich habe meine Schreiberei ganz schön vernachlässigt um anderweitig kreativ zu sein.  Mit meinem wundervollen Freund Stefan arbeite ich nun schon seit fast 3 Wochen an einer kleinen Film-Reihe. Für meinen Arbeitgeber produzieren wir einen 10-minütigen Imagefilm sowie sechs Kurzporträts von Jugendprojekten, die wir über ein bestimmtes Förderprogramm unterstützen. Oh Gott, habe ich gerade „wir“ gesagt? Mein Gott, warum identifizieren sich Menschen mit einer Firmenphilosophie? Das ist ja grässlich…. egal, bevor ich abschweife, zurück zum Eigentlichen. Für dieses Filmprojekt waren Stefan und ich nun in 6 Städten zu Dreharbeiten. Ich habe Görlitz in Sachsen kennengelernt. Lauchhammer in Brandenburg. Erfurt in Thüringen und Halle in Sachsen-Anhalt. Karlshorst in Berlin und das 1.800 Seelen Dorf Gelbensande in Mecklenburg-Vorpommern haben wir gesten besucht. Nun sind die Dreharbeiten fertig und die Schnitt- und Tonarbeiten warten auf uns.

Diese Reiserei war sehr anstrengend aber auch sehr hilfreich und vor allem beeindruckend. Wir haben Förderschüler beim Radiomachen begleitet und gelernt, wie wenig man manchen Menschen zutraut. Wir haben mitbekommen, wie sehr Plattenbauten noch thematisiert werden und wie Jugendliche sich ihr Wohnumfeld vorstellen. Und wir haben erschreckenderweise auch erlebt, wie Abwanderung wirklich zu einem Problem für Menschen in strukturschwachen Regionen wird. Kids haben uns erzählt, dass in ihrer Heimat die Schulen schließen und dass sie keine Freunde mehr haben, weil alle in den Westen gewandert sind. Das kann man sich als Stadtmensch nicht vorstellen. Das sind langsam sterbende Orte und man hat das Gefühl, dass mit dem Aussterben der Infrastruktur in solchen Dörfern ein Stückweit auch die Heimatseelen der Menschen sterben. Bedrückend. Das wird über die Medien kaum transportiert. Da sind es nur Zahlen von Fachkräften, die bald fehlen werden, dabei geht es auch um persönliche Verluste.

Fachlich gesehen war diese Filmreise ein „Training on the job“. Ich habe gelernt, dass ein Interview mehr als nur ein Gespräch ist,  das Menschen immer noch Angst vor Kameras haben und wie man Menschen zu Erzählern macht. Eine tolle Zeit mit vielen Eindrücken. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Filme machen kann – und das auch noch gegen Bezahlung :-)

Für heute habe ich Feierabend und tauche auf – seid nicht böse, wenn ich im Oktober noch öfters untertauche wie ein U-Boot.


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