Kerstin Müller

Eva Hermann – oder: Wie man Menschen regelrecht „demontiert“ | Okt 11th 2007

Wo ich nun schon mal Zeit für einen „Online-Abend“ habe, muss ich euch unbedingt was fragen: Wie bitte denkt ihr über die aktuelle öffentliche Medienschlacht um Eva Herman? Interessiert euch das? Empört euch das? Findet Ihr das wichtig oder gar richtig, was die Presse aktuell berichtet?

Also ich bin völlig entsetzt und eigentlich noch viel mehr. Ich bin stinkesauer! Ich find es unter aller Sau, wie unser geliebtes Vaterland ein Mediensystem geschaffen hat und es gedeihen lässt, was jeglicher Demokratie und Menschenwürde widerspricht. Leben wir nicht in einer Schein-Meinungsfreiheit, wenn Menschen nicht sagen dürfen, dass früher Dinge anders, vielleicht sogar besser waren? Leben wir nicht in einer Schein-Menschenwürde, wenn Zitate zerhackt und sinnentfremdet werden, um Menschen zu denunzieren? Und leben wir nicht in einer Schein-Gesellschaft, wenn man nicht rückwärtsgewandt Dinge erwähnen darf – von mehr kann ja auch wahrlich nicht die Rede sein – ohne einer politischen Richtung zugeordnet zu werden? Was hält unser Staat denn aus, wenn er Menschen nach unglücklichen Formulierungen durchscannen muss? Was darf man sagen – 60 Jahre nach Kriegsende? Was überhaupt als scheinbar freier Mensch? Über den aktuellen Vorfall bei Johannes B. Kerner mutmaße ich folgendes: Man hat Eva Hermann gezielt eingeladen (nachdem sie vor ein paar Wochen bereits ausgeladen wurde) um sie als Zielscheibe zu benutzen. Als Zielscheibe eines ziemlich aufgeblasenen und in der Tat parallel geschalteten Mediensystems. Man treibt Menschen in die Enge, um mit dem Finger auf sie zu zeigen anstatt mit einem eventuellen Fauxpas einer öffentlichen Person konstruktiv umzugehen. Im Falle Eva Hermann würde in meinen Augen konstruktiv nämlich bedeuten, es endlich mal öffentlich zuzulassen, über Rechtsextremismus in Deutschland zu sprechen. Man kann Nazi-Sachen ersteigern und Honecker Bilder im Wohnzimmer hängen haben, in manchen Ländern sogar NPD wählen und die Feuerwehr rufen, wenn der Inder verprügelt wird. Aber man darf nicht erwähnen, wie Werte und Familie im Nationalsozialismus behandelt wurden? Es ist doch kack egal, ob Eva Hermann es früher besser oder schlechter fand – sie ist ein freier Mensch in einer freien Gesellschaft, die einen Verlag gefunden hat, der sogar ein Buch von ihr veröffentlicht. Und die Menschen kaufen es. Wo bitte ist da das Problem? Und wo bitte ist die Kontrollinstanz, wenn so unfachlich berichtet wird?

Ich stimme inhaltlich in keinster Weise mit allen Gedanken von Eva Herman z.B. zur Emanzipation überein – soviel steht fest – aber darum geht es ja auch überhaupt garnicht mehr. Ich will eigentlich nur wissen, ob man sich als Medienkonsument und Bürger eine derartige einseitige und manipulierte Berichterstattung gefallen lassen muss? Das es Eva Herman getroffen hat, ist Zufall. Diese Boulevard Scheisse passiert ja tagtäglich. Was denkt ihr???

Und ich wette noch etwas: Ich weiß nicht, wer von euch die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises verfolgt hat – Beckmann wurde für sein Enthüllungstalk mit einem Ex-Radprofi für die beste „Moderation“ ausgezeichnet. Im nächsten Jahr hat Johannes B. Kerner mit seinem Rauswurf von Eva Herman aus seiner Sendung wohl gute Chancen auf den Titel „Beste Reaktion in Krisensituation“. Das  wahrscheinlich für diese Sendung viel Kohle und ne Menge unmoralischer Absprachen getroffen wurden, erfährt keiner. Dass es dann immer noch Landtagsabgeordnete der NPD in Sachsen gibt und Goebbels Cd´s auf dm Trödelmarkt wird auch völlig ausgeblendet. Hauptsache eine Person der Öffentlichkeit wurde medienwirksam „gerügt“. Denn das genügt.

Peinlich. Hilft nur Zeitung abbestellen und TV abschalten und sich endlich eine EIGENE Meinung bilden.

Quelle zum eigene Meinung bilden: Eva Herman bei Kerner 


9 Kommentare »

  1. Puh, dieses U-Boot macht mir ganz schön zu schaffen wenn’s mal oben ist! Natürlich interessiert mich die Diskussion um Eva Herman! Deshalb verfalle ich auch wieder dem Rampensautum und gebe meinen Senf wie immer penetrant und kontinuierlich zu jedem deiner Denkanstöße.
    Zunächst hatte ich beschlossen dass Eva Hermans Ansicht einfach zu blöd ist, als dass irgendwer sie ernstnehmen würde. Die Thesen aus ihrem Buch (zugegeben nur als Zusammenschnitt gelesen) waren so lächerlich, dass ich mir sagte: Verena, bleib cool, die Aufregung ist es nicht wert. Reg dich nicht so auf, die Frau macht jetzt bissle Geld mit dem Schwachsinn, s’ ist ein paar Wochen in den Medien und bald ist der Affentanz wieder verpufft. Diese Diskussion haben wir nun wirklich hinter uns gelassen in Deuschland.
    Denkste.

    Leider verpestet die gute Frau hartnäckig weiterhin die Medienlandschaft und hat es so mit genug Penetranz geschafft, dass ich mich nun doch aufrege. Nicht dass ich das nicht gerne täte – aber ich krieg Magengeschwüre wenn ich’s nicht irgendwo rauslassen kann. Danke also dass du hier mal wieder ein Ventil angeboten hast.

    Also widerspricht die Medienhetze hier jeglicher Demokratie und Menschenwürde? Hat sie sich einfach unglücklich ausgedrückt?

    Eva Herman hat sich hier ein glühend heißes Eisen geschnappt und sich mal eben mit ihren Patschehändchen die Finger dran verbrannt. Denn meiner Meinung nach geht sie hier zu weit, der antifaschistische Minimalkonsens besteht für mich darin, dass ich es für gefährlich halte damit zu kokettieren, dass ein paar Sachen im Nationalsozialismus doch garnicht so schlimm waren. Das wäre genauso, wie zu sagen, dass es ja auch ein paar nette Nazis gab, die das alles nicht so gemeint haben.
    Und hört mir auf mit diesem komplett bekloppten Autobahngelaber! Klar sprengen wir die Dinger nicht, denn davon würde nunmal wirklich niemand profitieren. Sie funktionieren, also nutzen wir sie. Wären sie allerdings komplett im Arsch, diese Autobahnen, alt und holprig und die Hälfte der Autos käme nur mit zerstörten Stoßdämpfern runter, die Leute hauen sich die Köpfe ständig an den Autodächern und halb Deutschland rennt mit Kopfschmerzen durch die Gegend – meinst du nicht dann würde man nochmal überdenken, ob man die Autobahn vielleicht mal etwas aufpeppen könnte? Dass die alten Straßen nicht mehr gemacht sind für so viele Autos?
    Ich werde mich also hüten auf einer Autobahn zu fahren, die mir irgendwann fürchterliche Depressionen wegen mangelnder Selbstverwirklichung bereiten wird.
    Stell dir vor du bist 90, hast davon 60 Jahre in einer (im wirklich absoluten und seltenen Glücksfall) glücklichen Beziehung gelebt und dieser Person geholfen, sich selbst zu verwirklichen. Du schaust zurück und musst feststellen, dass deine größte eigene Leistung war, dass du vor 50,60 Jahren irgendwann ein, zwei Male deine Gebärmutter zur Verfügung gestellt hast. Dann wirst du dir höchstwahrscheinlich überlegen, dass Eva Brauns, äh, Eva Hermans Autobahn dein persönlicher Highway to Hell war. Und das ist noch der allerbeste Ausgang – es kann nämlich theoritisch auch passieren, dass dein heißgeliebtes Karrierehäschen sich irgendwann mit einem anderen Karrierehäschen vergnügt, verstirbt, sich von dir intellektuell nicht mehr stimuliert fühlt oder einfach von dir genervt ist und dann bist du sicher mit 90 auch nicht viel lustiger gestimmt.
    Währenddessen wird Eva übrigens auf (mindestens) vier Ehen, drei Scheidungen, eine Karriere von der Hotelfachfrau zur Tagesschausprecherin, als Buchautorin, Talkmasterin und Mutter eines Sohnes zurückblicken.

    Aber sie hat sich doch nur bissle unglücklich ausgedrückt? Sie wollte doch beispielsweise nur die einseitige Berichterstattung kritisieren? Ich glaube das kann kaum ein Versehen sein. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass einer Ex-Tagesschausprecherin nicht klar ist, dass sie sich mit Begriffen wie „Gleichschaltung“ statt „einseitige Berichterstattung“ selbst in die Nazi-Ecke schiebt. Denn erstens hat sie mehrere solcher Begriffe und Vergleiche verwendet und zweitens nicht aus Versehen, sondern penetrant und immer wieder.

    Kerner ist nur auf Quote aus? Fernsehpreise? Ja, sicher. Er hat Eva Hermann bestimmt nicht eingeladen um mit ihr kontrovers zu diskutieren und ihr eine Chance zu geben, die Wogen zu glätten und die Fehlzitate ins rechte Licht zu rücken. Er wusste dass besagtes heißes Eisen auch in seiner Show zum Glühen kommen würde und er rechnete damit, hoffte oder plante sogar vielleicht, dass die Sache eskaliert und hohe Wellen schlägt. Aber dass man Zitate zerhackt und sinnentfremdet hat, um Menschen zu denunzieren, das halte ich für übertrieben. Gerade in dieser Show hätte sie mehrmals die Möglichkeit gehabt, sich deutlich vom Nationalsozialismus zu distanzieren – tat es aber nicht. Und das führt mich wieder zum oben erwähnten Minimalkonsens: Geht gar nicht!

    Kerner ist also definitiv kein Edelmann, der nur das arme Opfer war und letzendlich für Frauenrechte und gegen Faschismus aufgestanden ist und die Sache beendet hat – sicherlich kam es ihm nicht ungelegen. Allerdings hat er sie ja nicht einfach so rausgeschmissen, sondern (wenn ich mich recht erinnere) hatte Senta Berger keinen Bock mehr auf die Diskussion und wollte gehen – erst dann hat Kerner sich von Eva Herman verabschiedet.
    Hätte ich vier Gäste auf meiner Couch hocken – einer davon lässt zweifelhafte Bemerkungen fallen, er nervt mich und die anderen Gäste mit seinen sexistisch und faschistisch angehauchten Sprüchen – was würde ich tun? Spätestens wenn einer meiner anderen Gäste gehen möchte, weil er sich nicht weiter an einer Diskussion mit dem Rüpel beteiligen möchte, dann muss ich als Gastgeber entscheiden. Wer soll bleiben, wer soll gehen? Und ehrlichgesagt würde ich dann den Rüpel heimschicken, um dann wenigstens den Rest des Abends noch angenehm ausklingen zu lassen.
    Hätte ich allerdings den Rüpel von vorn herein nur eingeladen, damit er meine eigentlich ein wenig langweilige Gesprächsrunde aufpeppt und ich damit rechne mich an dem Abend köstlich zu amüsieren weil ich weiß dass der Rüpel sich selbst zum Gespött machen wird und ich davon sogar noch profitiere – dann sind meine Motive wahrlich nicht gerade edel und ich bin sicher nicht der Held der Nation, da hast du absolut Recht.

    Ich würde dennoch definitv andere Anlässe als Eva Hermann nutzen, um auf die rechten Geschwüre aufmerksam zu machen, die sich immer mehr durch die Gesellschaft ziehen. Eva Hermann sollte einfach überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt werden und fertig. Es muss doch möglich sein, einen anderen Weg zu finden darauf aufmerksam zu machen, dass es immer noch Landtagsabgeordnete der NPD in Sachsen gibt und Goebbels Cd´s auf dem Trödelmarkt. Du hast letztens erst zitiert, dass die Hetzjagd auf die Inder fast totgeschwiegen wurde.

    Eva soll einfach nach Hause gehen und ihr Näschen in Söhnchens Gemüseauflauf und Ehemanns Hinterteil stecken, ich bin es einfach satt darüber zu diskutieren, ob arbeitende Mütter (die armen Kinder!), Hausfrauen (Doofchen am Herd) oder kinderlose Akademikerinnen (Egoistinnen!) nun die Bösen sind?!

    Widerspricht die Art der Berichterstattung nun jeglicher Demokratie und Menschen würde? Wohl ja. Oder doch nicht? Das dumme an der Demokratie ist nunmal, dass sie sich immerzu am eigenen Ast sägen muss. Dieser Widersrpruch: Mein Schaden ist gut für mich. Aber ihre Bücher wurden ja auch nicht auf den Index gesetzt, Kerner hat hier eine individuelle Entscheidung gefällt. Ansonsten kann sie wahrscheinlich wirklich nur theoretisch sagen was sie will, die Objektivität lässt in der Berichterstattung sicher zu wünschen übrig. Trotzdem wünsche ich mir von Herzen, dass Eva Hermann von der Bildfläche verschwindet.
    Diesen Gefallen wird sie mir wahrscheinlich nicht tun, also tröst’ ich mich mit dem Gedanken, dass Deomokratie die schlechteste aller Regierungsformen ist, abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind. Oder, mit einem Demokratieforscher formuliert, die zweitbeste Demokratie ist immer noch besser als die beste Nicht-Demokratie.
    Also sollse weiterquaken, die Hermann, und ich kümmere mich inzwischen um meinen Blutdruck. Denn der Affentanz wird weiter gehen und ich werd mich immerzu aufregen müssen.

    Kommentar von Verena — Oktober 13, 2007 @ 4:05 p

  2. Das ist mir jetzt aber peinlich, dass der Text ungefähr 1 Meter Scrollstrecke lang ist.
    Als hätt ich sonst nix zu tun.
    Ups.

    Kommentar von Verena — Oktober 13, 2007 @ 4:06 p

  3. Gratulation… Ich habe dich gerade auf einem Podest im Central Park stehen sehen :-)

    Verena, ich stimme dir inhaltlich nicht ganz überein. Ich finde Eva Hermann auch kacke, aber ich finde weder, dass sie ernsthaft sexistisch ist noch faschistisch, nur weil sie ihre zweitkarriere mit nem buch aufpeppen will. hey… lass sie doch. ich finde es nur weiterhin schlimm, dass man sie nicht inhaltlich wegen ihrer ansichten fertig macht ( wie auch, die menschen kaufen ja ihre bücher in massen), sondern sich auf interviewfetzen beruht, die missverständlich sind. seid wann setzt man den menschen filter auf die lippen?? nur, wenn man jemanden, der ungemütlich wird loswerden will. und ja, eva hermann ist ungemütlich und blöd und konservativ – aber nur ungemütliche menschen bewegen themen!

    Kommentar von kmueller — Oktober 13, 2007 @ 4:21 p

  4. hua? warum denn central park und podest?
    wenn dann will ich in den speaker’s corner in den hyde park! oder meinste den?
    aber ja – von mir aus. wenigstens IRGENDEIN anlass, die heißen eisen anzusprechen.
    sexistisch ist sie allerdings sehr wohl meiner meinung nach, persönliche bedürfnisse stellt sie als für alle frauen geltenden biologismen dar, erziehungswissenschaftliche erkenntnisse wirft sie mal eben durch alltagsweisheiten über’n haufen und
    ganz nebenbei verwendet sie wahrhaft missverständliche begriffe – es ist also nicht überraschend dass sie missverstanden wird.

    die frau hat’n vogel, das ist eine komplett veraltete diskussion. deswegen plädiere ich dafür sie zu ignorieren, diese diskussion könnte uns um einige jahre zurückwerfen (sexismus) und rechtes gedankengut gesellschaftsfähig machen. keine lust drauf.

    Kommentar von Verena — Oktober 13, 2007 @ 5:09 p

  5. hallo Kerstin,
    habe diese Diskussion auch verfolgt und komischerweise habe ich mal wieder voll auch Deine Meinung getroffen. Ich finde es immer wieder interessant, dass wir uns da so ähneln. Ich finde es auch,“nur wer ein unangenehmes Thema mal öffentlich ausspricht kann eine Diskussion auslösen und die Gedanken neu beleben. Unsere freie Meinungsäußerung scheint in der letzten Zeit ans Wanken zu kommen. Wir sind scheinbar nur noch bequeme Bürger, wenn wir zu allem einfach nichts mehr sagen, keine Zivilcourage mehr zeigen und auch nicht mehr demonstrieren.
    Ich glaube das Eva Hermans nicht ein Vorbild ist, aber sie hat über die Mutterrolle und über die Zeiten im Nationalsozialismus endlich mal die Umwelt zum Diskutieren angeregt.
    Blasberg finde ich z. B. als Talker besser, er greift auch unangenehme Fragen wesentlich mehr auf als Kerner.

    Kommentar von Brigitte — Oktober 15, 2007 @ 10:35 p

  6. Mit einem haben Kerstin & Mama sicherlich absolut recht: Es wurde eine Diskussion angeregt. Und das ist doch schonmal nicht schlecht.
    Denn wenn was in so manch verstaubtem Oberstübchen tasächlich noch solche Gedanken rumgeistert sollte sie besser raus!

    Denn jeder noch so dumme Gesprächsanlass erhitzt die Gemüter, schafft Kommunikation und bringen die grauen Zellen wieder zum wirbeln.

    Also gut. Ich lass ja mit mir reden.

    Kommentar von Verena — Oktober 18, 2007 @ 6:17 p

  7. Hallo Kerstin !
    Bin zufällig auf ihrer Hompage gelandet, weil ich Informationen über Eva Hermann suchte. Habe mit Interesse ihre Meinung und die folgenden Kommentare gelesen. Ich glaube man tut Frau Hermann unrecht. Habe „Das Eva-Prinzip“ gelesen und ich kann es unterschreiben. Sicher, der Vergleich mit dem Nazi-Regime ist unglücklich gewählt. Leider ist es in unserem Land schon lange nicht mehr möglich, ehrlich (!!!) seine Meinung zu sagen, schon gar nicht im Fernsehen. Solange es Schmierblätter wie die Bild-Zeitung gibt, wird die allgemeine Meinung für viele schon vorgefertigt. Das ist bequemer, als sich eine eigene Meinung zu bilden. Die Medien haben ihren Sündenbock gefunden und Leute wie Kerner können ihre Quoten hochschrauben, denn darum ging es ihm schließlich.
    Zurück zum Thema: Frau Hermann hat mit ihrem Buch versucht auf die tatsächliche Situation der Frauen in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Viele Frauen sind gezwungen Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ich meine damit vor allem die Kassiererin beim Aldi, die Verkäuferin bei Karstadt, die Bürokauffrau bei der XY-Versicherung oder die Arzthelferin beim Zahnarzt und nicht die Top Managerin bei Was-weis-ich-wo. Leider wird den jungen Frauen heute vorgemacht, man brauche zum glücklichsein einen Top-Beruf mit einem Top-Verdienst und Kinder bekomme ich so ganz nebenbei. Einen Eheman bzw. Lebensabschnittsgefährten und Familie braucht man nur zu Repräsenttationszwecken oder allemal um Steuern zu sparen.
    Ich bin Jahrgang 1958, verheiratet und habe zwei Kinder. Ganz bewußt habe ich mich für Familie und Kinder entschieden und es bis heute nicht bereut. Da wir selbständig sind, habe ich immer mitgearbeitet. Es ist nicht leicht das alles zu vereinbaren. Ich wünsche meiner Tochter, Ihnen liebe Kerstin und allen anderen Frauen aus der Generation, sich in erster Linie für Familie und Kinder zu entscheiden. Es lohnt sich !! Auch denken Sie mal darüber nach: Was geschieht mit ihren Eltern oder später mal Schwiegereltern, wenn diese Hilfe brauchen ?
    Zum Schluß noch einen Gedankenanstoß: Möchten Sie Alice Schwarzer als Mutter haben ?

    Liebe Grüße von Hilde

    P.S. Habe ihr Gedicht über die Großeltern gelesen. Gratulation zu ihrer Familie.

    Kommentar von Hilde — Februar 7, 2008 @ 2:05 p

  8. Liebe Hilde,

    danke für Ihren Beitrag. Das haben Sie sehr treffend formuliert. Junge Frauen im Jahr 2008 stehen völlig anderen Herausforderungen entgegen, als noch vor 30,40,50 oder gar 60 Jahren. Dennoch führen diese vielen Herausforderungen auch oft zu Verunsicherungen, zu Reizüberflutungen und einem neurotischen Sich-Immer-Mehr-Selbst-Verwirklichen-Wollen.
    Was ich für falsch halte, ist eine Schwarz-Weiß-Sichtweise: Ich denke es soll Frauen vorurteilsfrei und moralfrei gestattet sein, ihr Karriereleben dem einer Familie vorzuziehen. Nicht jede Frau wäre eine gute Mutter und nicht jeder Mann ein guter Vater. Andersrum sollten Frauen mit Familiensinn ihrem Wunsch nachgehen können, ohne als „Dummchen am Herd“ degradiert zu werden. Bücher, die das eine verurteilen und das andere als die Lösung hinstellen, bringen das Thema nicht weiter. Was ich in Deutschland vermisse sind – auch von der Politik unterstützte und angeregte – Diskussionen um die Vielfalt an Lebensmodellen, die uns das Millenium mitgebracht hat. Vielfalt, die auch Orientierung braucht. Es kann nicht nur Weg A geben mit Elterngeld und dann dem Stempel „Hausfrau“ und den Weg B mit dem Stempel Kinderlosigkeit und „Emanze“. Wir brauchen eine Kultur des ernstgenommen werdens und des sich gegenseitig akzeptierens.

    Ich für mich strebe eine Lösung an, die Ihrer sehr nahe kommt: Arbeiten von Zuhause so viel wie nötig ist und ein Famnilienleben, dass einem die Endlichkeit in diesem Leben verdeutlicht. Denn die ist durch keinen Traumjob veränderbar – sondern nur durch den zwischenmenschenlichen Sinn des Lebens.

    Kommentar von kmueller — Februar 27, 2008 @ 11:50 p

  9. Елки-палки, отменная заметка

    Kommentar von asceserutle — Dezember 9, 2008 @ 2:09 p


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