Uff, ich fühle mich wie ein Gärtner, der seine Blume vergessen hat, zu gießen. Entschuldigt meine lange Zeit der Stille hier. Ich war schwer mit der Geburt der Reporter positiver Nachrichten beschäftigt und arbeite mit einigen wundervollen Menschen an interessanten und spannenden Ideen zur… ja…. zur Verbesserung dieser Welt. Nein, die Welt kann eigentlich nichts für irgendwas. Sagen wir: Wir arbeiten an der Verbesserung der Gesellschaft ![]()
Ich spüre es seit Tagen schon wieder am eigenen Leib: Das Arbeitsleben ist unlogisch, egoistisch, leistungsorientiert, unpersönlich, fies, gerinsschätzend und stressig. Die Menschen funktionieren im Büro wie kleine Roboter ohne es zu merken. Verlieren Selbstwert, Talente und Kompetenzen. Denken, Machen, Voranbringen. Den ganzen Tag. Urlaubsantrag: Abgelehnt. Früherweg und zum Arzt: Abgelehnt. Energie schöpfen und zuhause Arbeiten: Abgelehnt. Mal Pause machen, so lange es der Körper braucht: Unmöglich.
Was ist passiert in der Arbeitswelt? Müssen wir nur noch leisten um zu verdienen um zu konsumieren? Ist es in anderen Ländern auch so schlimm, dass der Kapitalismus Einzug in alle Lebensbereiche Einzug erhält? Ans Private denken ist im Büro kaum drin, das Magengrummeln wartet, es geht ja Zeit beim Kaffee-Talk mit den Kollegen verloren. 8 Stunden 30 steht auf dem Arbeitskonto. Jeden Tag. Die Pause ist exklusive. Und das alles, obwohl wir einfach nur arbeiten, um zu leben? Ah, da stellt sich die Frage: Konnte sich das alles erst so entwickeln, weil es zu viele Menschen gibt, die lieber arbeiten als leben? Single. Kinderlos. Hochproduktiv. Führungskraft. Und das strahlt dann aus auf die „Untere Nahrungskette“? Hmm. Möglich. Ein Schritt zurück. Ich arbeite also um zu leben. Kann aber bald nicht mehr leben, weil mich die Arbeit einnimmt. Ich brauche also eine Pause. Von der Arbeit. Oder vom Leben? Vom Leben, dass im 21. Jahrhundert zu – na sagen wir- pie mal Daumen – zu 70% aus „Erwerbstätigkeit“ besteht. Puh. Es hat sich einnehmen lassen vom funktionalen Handeln Kapitalorientierter Arbeitsmonster. Grauenvoll. Und wir alle mittendrin. Ein Hoch auf die, die sich loslösen können.
Also: Eine Pause vom Leben. Vom Leben mit der Arbeit. Der Arbeit am Überleben. Dringend nötig. Adé Sozialversicherungspflicht. Du und das deutsche Arbeitssystem: Ihr könnt mich mal!*
Und Ihr?
* Dies ist lediglich ein einfach mal geäußerter Gedankenkreisel. Es entspricht nicht meiner aktuellen Situation. Mutmaßungen sind erlaubt, aber der Erguss Eurer Phantasie
Tags: arbeiten, arbeitssystem, büro, burn out, kapitalismus, leben, sozialversicherungspflicht, stress
Ja, liebe Kerstin, der alte Spruch vom „Zeit, aber kein Geld“ & „Geld, aber keine Zeit“. Wobei das Geld in jedem Fall auch immer weniger wird.
„Man sollte nur moderate Lohnerhöhungen verlangen, um den Aufschwung nicht zu gefährden“ heisst es. Und kann gleichzeitig lesen, dass Hartz IV, das Krebsgeschwür der deutschen Politik jüngster Zeit, nicht einmal an die Inflation angepasst wird. Huh, wenn ich daran denke, dass der Einkaufswagen beim Penny noch vor 2 Jahren für nen Fuffziger randvoll war und nun knapp halbvoll… durch Lebensmittelpreiserhöhungen im einstelligen Prozentbereich ist diese Beobachtung sicher nicht zu begründen.
Menschen werden anno 2008 katalogisieren und kategorisiert. Ich werde auf dem Weg ins Stadion abgefilmt, ich werde an der Haltestelle abgefilmt, ich wurde in Heiligendamm abgefilmt. Ein Profil entsteht. Ab in die Schublade, husch husch. Und du solltest effektiver sparen. Gesegnet sei derjenige, der sich nicht über Konsum definiert und einen Blick für die wahren Schönheiten menschlicher Existenz hat. Für menschliches Miteinander und bedingungslose Toleranz gegenüber allen Lebenskonzepten, die die Freiheit feiern, wie sie es verdient.
Neulich hatte ich wieder so ein kurzes Gespräch, morgens um 5 nach dem Unifest. Kurz, aber prägnant. Jemand sprach mich an, wieso ich beim Unifest helfe. Ich war gerade dabei, die letzten Leichen aus dem Mensahof zu scheuchen. Ob ich dafür Geld kriege. Auf meine Replik, dass solcher Art Feste durch Solidarität und nicht durch erkaufte Leistungsbereitschaft funktionieren, erntete ich nur einen verständlisloses „Kein Geld? Aber dann würde ich doch nicht helfen!“. Nun, das lockte einem nun wirklich einen überrascht-konsternierten Blick ins Gesicht und ein kleines inneres Lächeln, dass hinter mir noch Dutzende Mädels und Jungs eben nicht solcher Ansicht waren, sondern anpackten. Ohne Erwartung einer Gegenleistung.
Aber ich will nicht zu politisch werden und wünsche dem Kerlchen vom Unifest einige Erfahrungen, die seinen Blick vielleicht ein gerüttelt Maß über den eigenen Tellerrand hinausbefördern. It’s you life, darling, take it. Misanthropie ist ha auch keine Lösung.
Nur eines: wenn, wie es INSM und Bertelsmann-Stiftung gebetsmühlenartig predigen, mit dem aktuellen Wirtschaftssystem das bestmöglichste System nun am Ruder ist und danach nichts mehr kommen könne, predigen diese dann nicht den Stillstand? Es reicht, nehmt den Gang raus, ab in den Leerlauf, das Prinzip der Unsichtbaren Hand wird uns leiten. Sic!, Herr Smith!
Geschichte wiederholt sich. Und in der Wiederholung steckt mehr Bewegung als im Stillstand. Vielleicht schaffen wir es, durch unser Tun die nächste Wiederholung des Rades der Zeit ein klein wenig zu optimieren. Das wäre doch schon einmal etwas. In einer Zeit, in der man sich lächerlich macht, wenn man eine Utopie formuliert, sollten wir eben dies noch viel hemmungsloser, viel kompromissloser tun. Und uns nicht von den Konsequenzen verschrecken lassen. Lebe, liebe, hoffe – und finde deinen Kiez.
Ich mag übrigens dein neues Projekt, wünsche dir alles Glück dafür!
Lieben Gruß aus (noch) Karlsruhe,
Thorsten
Kommentar von Thorsten — März 3, 2008 @ 10:51 p
Hey Thorsten,
du hast es nicht verlernt – deine Gabe, Dinge wundervoll auf den Punkt zu bringen. Danke, eine Bereicherung für einen Abend am PC
Ja, keine Ahung wohin uns die aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftsmühle drücken und pressen wird. Wohin sich die Menschen drücken und pressen lassen. Schrein tun sie nur, wenns weh tut und zum Tode führt. Ich ähm…aua… will da raus aus der Mühle. Ein Hoch auf die ver.di Streikenden. Hier in Berlin geht nix. Kein U-Bahn, keine Straßenbahn, kein Bus mehr. Ich sattel gerne um aufs Fahhrad, wenns denn endlich mal wirkt. Zieht den „Top Managern“ die Hosen runter. Bluten sollen sie. Zumwinkel? Gehört ausgebürgert.
Oh Gott, ich könnte Stunden darüber kotzen und brüten, um eigene Konsequenzen für mich zu formulieren. Aber im Stillen liegen die Handlungen, die Verwunderung bringen und zum Nachdenken anregen. Also ziehe ich mich zurück. Beobachte. Widme mich den schönen und positiven Dingen des Lebens. Utopiere und genieße es. Und gehe nur noch ans Telefon, wenn Menschen dran sind, die mich lassen und nehmen wie ich bin und wie ich sein will
Das einzige was uns 2008 bleibt: Das Schaffen, Pflegen und Aufrechterhalten eines gesunden Mikrokosmos´!
Gruß nach Noch-Karlsruhe… welche Station folgt dann?
Kommentar von kmueller — März 5, 2008 @ 9:07 p
Auch wir alle müssten uns selbst die Hosen etwas runterziehen. Die Gesellschaft hat natürlich auch jegliche Annehmlichkeiten unseres immer größer werdenden Wohlstandes angenommen und merken jetzt erst, das es wieder runtergeht und der Höhepunkt erreicht ist. Die Gesellschaft muss auch wieder lernen zu geben und nicht nur zu nehmen. Thorsten hat sehr gut recht mit seinem Artikel.
Der Satz mit der „nicht durch erkaufte Leistungsbereitschaft“, sondern auch mal gefeierte kostenlose Solidarität und Bereitschaft zur Gemeinschaft u. Hilfe, hat mir gefallen. Ich bin aufmerksamer Leser Eurer Gedanken
Kommentar von Müller, Brigitte — März 6, 2008 @ 11:36 p
Ihr lieben, lieben Leute……………….
vergeßt bitte nicht, daß alle Werte, die wir zum Überleben benötigen, erst einmal geschaffen werden müssen. Ohne Leistung geht auf Dauer nichts, außer
schmarotzen…………….so ist es auf dieser Welt……da kommt Ihr nicht raus…………..
Jörg
Kommentar von Fink — März 6, 2008 @ 3:53 p
Hallo Jörg,
natürlich brauchen wir Werte zum Überleben. Ich denke es ist nur eine Frage der Art, wie unsere Gesellschaft es sich angewöhnt hat Werte zu „schöpfen“. Ich sage nur Zinsgeldsystem, Wirtschaftskriminalität, Zivilgesellschaft statt Staatsfürsorge… Von Schmarotzen redet hier keiner. Ich stelle mir nur die Frage, ob die Teilhabe an unserem Sozialstaatsystem so noch Lust und Laune macht oder ob man nicht besser dran ist, wenn man für sich und sein Umfelf selbst sorgt, selbst arbeitet und selbst Werte schöpft, verteilt und tauscht.
Bist du Selbstständig oder Angestellt? Oder Beamter?
Kommentar von kerstin — März 6, 2008 @ 4:18 p
Berlin, X-Berg.
Kommentar von Thorsten — März 14, 2008 @ 6:31 p