Seit Tagen mache ich eine Art Selbstexperiment: Ich teste den Einfluss von Musik auf mein inneres Empfinden. Ich laufe des öfteren die gleiche Strecke, stöpsel mir Musik in die Ohren, wähle aber jedes Mal andere Musik. Und es ist erstaunlich, was es bewirkt.
Ohne Musik kommt mir die Strecke trostlos vor. Ich kenne jede Ampel, weiß wo die besprühte Wand steht, die so trist aussieht, rieche schon drei Meter vor dem China Imbiss das olle Fett, sehe immer wieder in die leeren Gesichter der am Spielplatz sitzenden Obdachlosen. Ich fühle mich jedes Mal eingeengt, schuldig und hilflos zugleich. Es ist der Weg von der Arbeit nach Hause. Ich habe selbst einen langen Tag hinter mir, habe alle „Pflichten“ erfüllt, und möchte nach Hause laufen, um runter zu kommen, abzuschalten, mich auszupendeln. Ohne Musik gelingt es mir selten.
Nun gehe ich die gleiche Strecke immer wieder mit Musik. Mal mit Enya, mal mit Coldplay, mal mit poetryclub, mal mit Madsen, mal mit Counting Crows, mal mit den Ärzten, mal mit Yann Tiersen, mal mit Madonna. Wow…. und der Effekt ist unglaublich. Je nach Musik, bemerke ich, wie ich anfange zu schlendern, anstatt zu hetzen, wie ich lächle, anstatt mich zu ärgern, wie ich mitsumme, anstatt zu schweigen, wie ich ein unglaubliches Gefühl von Freiheit empfinde, anstatt Enge zu spüren. Krass. Es ist also, als könne man seinem Leben seinen eigenen Sound geben. Das beweist mal wieder, welche emotionale Kraft Musik auf den Menschen hat. Oder nur auf mich?
Nun muss ich los. Ans andere Ende von Berlin. Mein Sound für heute: poetryclub!