Kerstin Müller

Der Sound meines Lebens

Seit Tagen mache ich eine Art Selbstexperiment: Ich teste den Einfluss von Musik auf mein inneres Empfinden. Ich laufe des öfteren die gleiche Strecke, stöpsel mir Musik in die Ohren, wähle aber jedes Mal andere Musik. Und es ist erstaunlich, was es bewirkt.

Ohne Musik kommt mir die Strecke trostlos vor. Ich kenne jede Ampel, weiß wo die besprühte Wand steht, die so trist aussieht, rieche schon drei Meter vor dem China Imbiss das olle Fett, sehe immer wieder in die leeren Gesichter der am Spielplatz sitzenden Obdachlosen. Ich fühle mich jedes Mal eingeengt, schuldig und hilflos zugleich. Es ist der Weg von der Arbeit nach Hause. Ich habe selbst einen langen Tag hinter mir, habe alle „Pflichten“ erfüllt, und möchte nach Hause laufen, um runter zu kommen, abzuschalten, mich auszupendeln. Ohne Musik gelingt es mir selten.

Nun gehe ich die gleiche Strecke immer wieder mit Musik. Mal mit Enya, mal mit Coldplay, mal mit poetryclub, mal mit Madsen, mal mit Counting Crows, mal mit den Ärzten, mal mit Yann Tiersen, mal mit Madonna. Wow…. und der Effekt ist unglaublich. Je nach Musik, bemerke ich, wie ich anfange zu schlendern, anstatt zu hetzen, wie ich lächle, anstatt mich zu ärgern, wie ich mitsumme, anstatt zu schweigen, wie ich ein unglaubliches Gefühl von Freiheit empfinde, anstatt Enge zu spüren. Krass. Es ist also, als könne man seinem Leben seinen eigenen Sound geben. Das beweist mal wieder, welche emotionale Kraft Musik auf den Menschen hat. Oder nur auf mich? :-)

Nun muss ich los. Ans andere Ende von Berlin. Mein Sound für heute: poetryclub!


Pause vom Leben?!

Uff, ich fühle mich wie ein Gärtner, der seine Blume vergessen hat, zu gießen. Entschuldigt meine lange Zeit der Stille hier. Ich war schwer mit der Geburt der Reporter positiver Nachrichten beschäftigt und arbeite mit einigen wundervollen Menschen an interessanten und spannenden Ideen zur… ja…. zur Verbesserung dieser Welt. Nein, die Welt kann eigentlich nichts für irgendwas. Sagen wir: Wir arbeiten an der Verbesserung der Gesellschaft :-)
Ich spüre es seit Tagen schon wieder am eigenen Leib: Das Arbeitsleben ist unlogisch, egoistisch, leistungsorientiert, unpersönlich, fies, gerinsschätzend und stressig. Die Menschen funktionieren im Büro wie kleine Roboter ohne es zu merken. Verlieren Selbstwert, Talente und Kompetenzen. Denken, Machen, Voranbringen. Den ganzen Tag. Urlaubsantrag: Abgelehnt. Früherweg und zum Arzt: Abgelehnt. Energie schöpfen und zuhause Arbeiten: Abgelehnt. Mal Pause machen, so lange es der Körper braucht: Unmöglich.

Was ist passiert in der Arbeitswelt? Müssen wir nur noch leisten um zu verdienen um zu konsumieren? Ist es in anderen Ländern auch so schlimm, dass der Kapitalismus Einzug in alle Lebensbereiche Einzug erhält? Ans Private denken ist im Büro kaum drin, das Magengrummeln wartet, es geht ja Zeit beim Kaffee-Talk mit den Kollegen verloren. 8 Stunden 30 steht auf dem Arbeitskonto. Jeden Tag. Die Pause ist exklusive. Und das alles, obwohl wir einfach nur arbeiten, um zu leben? Ah, da stellt sich die Frage: Konnte sich das alles erst so entwickeln, weil es zu viele Menschen gibt, die lieber arbeiten als leben? Single. Kinderlos. Hochproduktiv. Führungskraft. Und das strahlt dann aus auf die „Untere Nahrungskette“? Hmm. Möglich. Ein Schritt zurück. Ich arbeite also um zu leben. Kann aber bald nicht mehr leben, weil mich die Arbeit einnimmt. Ich brauche also eine Pause. Von der Arbeit. Oder vom Leben? Vom Leben, dass im 21. Jahrhundert zu – na sagen wir- pie mal Daumen – zu 70% aus „Erwerbstätigkeit“ besteht. Puh. Es hat sich einnehmen lassen vom funktionalen Handeln Kapitalorientierter Arbeitsmonster. Grauenvoll. Und wir alle mittendrin. Ein Hoch auf die, die sich loslösen können.

Also: Eine Pause vom Leben. Vom Leben mit der Arbeit. Der Arbeit am Überleben. Dringend nötig. Adé Sozialversicherungspflicht. Du und das deutsche Arbeitssystem: Ihr könnt mich mal!*

Und Ihr?

* Dies ist lediglich ein einfach mal geäußerter Gedankenkreisel. Es entspricht nicht meiner aktuellen Situation.  Mutmaßungen sind erlaubt, aber der Erguss Eurer Phantasie :-)


Eva Hermann – oder: Wie man Menschen regelrecht „demontiert“

Wo ich nun schon mal Zeit für einen „Online-Abend“ habe, muss ich euch unbedingt was fragen: Wie bitte denkt ihr über die aktuelle öffentliche Medienschlacht um Eva Herman? Interessiert euch das? Empört euch das? Findet Ihr das wichtig oder gar richtig, was die Presse aktuell berichtet?

Also ich bin völlig entsetzt und eigentlich noch viel mehr. Ich bin stinkesauer! Ich find es unter aller Sau, wie unser geliebtes Vaterland ein Mediensystem geschaffen hat und es gedeihen lässt, was jeglicher Demokratie und Menschenwürde widerspricht. Leben wir nicht in einer Schein-Meinungsfreiheit, wenn Menschen nicht sagen dürfen, dass früher Dinge anders, vielleicht sogar besser waren? Leben wir nicht in einer Schein-Menschenwürde, wenn Zitate zerhackt und sinnentfremdet werden, um Menschen zu denunzieren? Und leben wir nicht in einer Schein-Gesellschaft, wenn man nicht rückwärtsgewandt Dinge erwähnen darf – von mehr kann ja auch wahrlich nicht die Rede sein – ohne einer politischen Richtung zugeordnet zu werden? Was hält unser Staat denn aus, wenn er Menschen nach unglücklichen Formulierungen durchscannen muss? Was darf man sagen – 60 Jahre nach Kriegsende? Was überhaupt als scheinbar freier Mensch? Über den aktuellen Vorfall bei Johannes B. Kerner mutmaße ich folgendes: Man hat Eva Hermann gezielt eingeladen (nachdem sie vor ein paar Wochen bereits ausgeladen wurde) um sie als Zielscheibe zu benutzen. Als Zielscheibe eines ziemlich aufgeblasenen und in der Tat parallel geschalteten Mediensystems. Man treibt Menschen in die Enge, um mit dem Finger auf sie zu zeigen anstatt mit einem eventuellen Fauxpas einer öffentlichen Person konstruktiv umzugehen. Im Falle Eva Hermann würde in meinen Augen konstruktiv nämlich bedeuten, es endlich mal öffentlich zuzulassen, über Rechtsextremismus in Deutschland zu sprechen. Man kann Nazi-Sachen ersteigern und Honecker Bilder im Wohnzimmer hängen haben, in manchen Ländern sogar NPD wählen und die Feuerwehr rufen, wenn der Inder verprügelt wird. Aber man darf nicht erwähnen, wie Werte und Familie im Nationalsozialismus behandelt wurden? Es ist doch kack egal, ob Eva Hermann es früher besser oder schlechter fand – sie ist ein freier Mensch in einer freien Gesellschaft, die einen Verlag gefunden hat, der sogar ein Buch von ihr veröffentlicht. Und die Menschen kaufen es. Wo bitte ist da das Problem? Und wo bitte ist die Kontrollinstanz, wenn so unfachlich berichtet wird?

Ich stimme inhaltlich in keinster Weise mit allen Gedanken von Eva Herman z.B. zur Emanzipation überein – soviel steht fest – aber darum geht es ja auch überhaupt garnicht mehr. Ich will eigentlich nur wissen, ob man sich als Medienkonsument und Bürger eine derartige einseitige und manipulierte Berichterstattung gefallen lassen muss? Das es Eva Herman getroffen hat, ist Zufall. Diese Boulevard Scheisse passiert ja tagtäglich. Was denkt ihr???

Und ich wette noch etwas: Ich weiß nicht, wer von euch die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises verfolgt hat – Beckmann wurde für sein Enthüllungstalk mit einem Ex-Radprofi für die beste „Moderation“ ausgezeichnet. Im nächsten Jahr hat Johannes B. Kerner mit seinem Rauswurf von Eva Herman aus seiner Sendung wohl gute Chancen auf den Titel „Beste Reaktion in Krisensituation“. Das  wahrscheinlich für diese Sendung viel Kohle und ne Menge unmoralischer Absprachen getroffen wurden, erfährt keiner. Dass es dann immer noch Landtagsabgeordnete der NPD in Sachsen gibt und Goebbels Cd´s auf dm Trödelmarkt wird auch völlig ausgeblendet. Hauptsache eine Person der Öffentlichkeit wurde medienwirksam „gerügt“. Denn das genügt.

Peinlich. Hilft nur Zeitung abbestellen und TV abschalten und sich endlich eine EIGENE Meinung bilden.

Quelle zum eigene Meinung bilden: Eva Herman bei Kerner 


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